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Mitteldeutsche Kulturstiftung: ein historischer Fehler

Heute hat der Kommunale Arbeitskreis der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in Rudolstadt getagt. Das beherrschende Thema: Die Gründung einer Kulturstiftung Mitteldeutschland Schlösser und Gärten (KMSG). Vertreter der Thüringer Staatskanzlei haben die Mitglieder des Arbeitskreises darüber informiert, dass ein fertiger Entwurf des für die Gründung notwendigen Staatsvertrages vorliegt. Sowohl das Vorgehen als auch die mitgeteilten Inhalte sorgten für Empörung auch beim Bürgermeister der Stadt Bad Liebenstein.

„der größte Kulturraub unserer Landesgeschichte“
Mündlich erfuhren die Landräte und Bürgermeister davon, dass zum 1. Januar 2021 die Mitteldeutsche Stiftung gegründet werden soll, mit Sitz in Halle. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit all ihren Schlössern, Burgen und Gartenanlagen soll Ende des Jahres aufgelöst und in die neue Stiftung überführt werden. „Damit werden für Thüringen kulturhistorisch falsche Weichen gestellt“, ist sich Bad Liebensteins Bürgermeister Dr. Michael Brodführer sicher. „Es gibt kein gemeinsames Kulturerbe von Sachsen-Anhalt und Thüringen. Jetzt werden unsere kulturhistorischen Identitäten in fremde Hände gelegt, ohne die Argumente der Kommunen und der zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich um die Liegenschaften kümmern, ernst zu nehmen. Zentrale Strukturen, die dazu führen, dass Entscheidungen außerhalb von Thüringen getroffen werden, sind für die Entwicklung vor Ort ein weiterer bürokratischer Hemmschuh.“

In der Kurstadt Bad Liebenstein befinden sich mit Schloss und Park Altenstein und der Burgruine zwei Liegenschaften der Thüringer Schlösserstiftung, deren Erhalt durch zwei Fördervereine unterstützt wird. „Das Vorhaben, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aufzulösen und unsere Burgen, Schlösser und Gärten in eine Stiftung mit Sitz und Aufsicht in Sachsen-Anhalt zu überführen, ist der größte Kulturraub unserer Landesgeschichte“, so Brodführer.

Hintergrund Bad Liebenstein
Bad Liebenstein verfügt über zwei Liegenschaften, die derzeit von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten betreut werden: Von kulturhistorischer Bedeutung und nationaler Strahlkraft ist das Ensemble Schloss und Park Altenstein. Die einstige Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen ist umgeben von einem malerischen Landschaftspark mit Chinesischem Häuschen, künstlichen Höhlen, kunstvollen Teppichbeeten und idyllischen Aussichtspunkten. An der Gestaltung des Parks war kein geringerer als Fürst Hermann von Pückler-Muskau beteiligt. Seit 2017 beherbergt das Schloss eine Gedenkstätte für Johannes Brahms, der mehrmals dort zu Besuch war. Schloss und Park Altenstein sind 2021 ein Außenstandort der Bundesgartenschau. Die zweite Liegenschaft ist Burgruine Bad Liebenstein.

Hintergrund: PM des Kommunalen Arbeitskreises vom 14. Mai 2020

In der Sitzung des Kommunalen Arbeitskreises der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten am 14. Mai 2020 haben sich die Landräte und Bürgermeister auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt getroffen.

Mit großer Enttäuschung und Bestürzung mussten die kommunalen Vertreter zur Kenntnis nehmen, dass die Thüringer Staatskanzlei einen Entwurf eines Staatsvertrags zwischen dem Freistaat Thüringen und dem Land Sachsen-Anhalt vorliegen hat. Dieser wurde dem Kommunalen Arbeitskreis nicht zur Verfügung gestellt, obwohl der Termin der Sitzung bekannt war.

Darüber hinaus wurde von Seiten der Thüringer Staatskanzlei mitgeteilt, dass die Thüringer Kommunen und die STSG lediglich vier Werktage zur Anhörung und Stellungnahme zur Verfügung haben. Dies löste Fassungslosigkeit unter den kommunalen Vertretern aus.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Herr Landrat Reinhard Krebs, fühlt sich hintergangen. Er lehnt diese Verfahrensweise ab: „Es geht hier nicht nur um ein Stück Papier, sondern es geht um die kulturelle Identität Thüringens, um die kulturelle Selbstbestimmung und es geht um unsere Burgen, Schlösser und Gärten in unseren Städten und Gemeinden“.

Der Landrat des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, Herr Marko Wolfram, fordert, dass der Sitz der Stiftung in Rudolstadt und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten vollumfänglich erhalten bleiben.“

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